Band Filter

ZENTRIERT INS ANTLITZ - Prozium

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ZENTRIERT INS ANTLITZ
Title Prozium
Homepage ZENTRIERT INS ANTLITZ
Label COP INTERNATIONAL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

ZENTRIERT INS ANTLITZ? – Die Braut haut ins Auge, fällt mir da irgendwie spontan zu ein, sinnentleert aber inhaltsschwer und wo wir gerade beim Thema sind: Dieses mal muss ich ein außergewöhnliches Zitat von der Bandhomepage der 94 gegründeten Deutschen zum besten geben:
„EBM oder Industrial wird zur deformierten Tonspur einer Trendbesoffenen, pseudomodernen Bilderwelt degradiert, wimmernde, quietschende und jämmerliche Sounds dieser präpuberalen nekrophilen narzistischen Friedhofsgesellschaft haben mit antiquaren Chips, die Musik zu einer Dissonanz mit inflationärem Crescendo degenerieren lassen, so daß dem Auditorium ein prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit droht.“ Da fallen ja sogar unserem Chefgermanisten tocafi die Tränen in den trüben Rinnsaal der Aphoristiker. Sind die Herren Friedrich/ Meuler/ Warkentin nun arrogante Pfauen oder kühl berechnende Ideologen? Wahrscheinlich beides und verdammt gute Musik machen sie noch dazu…

Nach der bereits szenemäßig anerkannten „Genozid“-Scheibe verfolgt man den Pfad auf der über 60 Minuten währenden neuen Ausgrabung konsequent weiter. Eine Mischung aus Elektro und Trance mit intellektuellem Habitus und teilweise hypnotischer Atmosphäre. Vocals im eigentlichen Sinne gibt es nicht, stattdessen werden Sprechgesang und Samples verwendet, die teilweise richtiggehend beklemmend wirken. Der Opener „Ultra Violent Ultra Skilled“ fällt dabei am „clubbigsten“ aus, trancige Flächen im Einklang mit einem treibenden Rhythmus und Future Pop Elementen, dazu eine „weiche“ deutsche Männer-Stimme, schon kann man sich dunkle Leiber im Stroboskop-Licht vorstellen. Es folgen im wesentlichen sphärische Non Vocal-Tracks, die ihre Anklänge an frühe Meister wie Jean Michel Jarre haben und als Soundtrack für intelligente ScFi Streifen im Stile von „Solaris“ eine gute Verwendung finden könnten. Immer wieder werden ambiente und repetetive Mosaiksteine in den fließenden Elektro integriert, den man am besten bei totaler Dunkelheit genießt. „Prophecy“ mit seiner E-Gitarre als Fundament erinnert ein wenig an PRODIGY (daher vielleicht auch der ähnlich lautende Songtitel?) bevor es mit weiblicher Stimme französisch lasziv weiter geht. Überhaupt scheint das Trio eine Vorliebe für unseren westlichen Nachbarn zu haben, die Nouvelle Vague des Elektros? Mit „Un nouveau début“ zieht die Melancholie ein, mit einem verschämten Blasinstrument im Hintergrund, perfekte „Blade Runner“-Stimmung… Das abschließende „Gollum“ verwendet Samples aus der Ringe-Trilogie von diesem herrlich knarzigen deutschen Synchronsprecher, was dem Track eine kurios befremdliche Wirkung verleiht, nichtsdestotrotz auch ein potentieller Clubhit.

ZIA werden ihre Fangemeinde mit dieser Lehrstunde in Sachen moderner elektronischer Musik nicht enttäuschen, ganz im Gegenteil. Geradezu eine wohltuende Alternative zu endlos ballernden Future Pop-Klonen und von einer selten zu findenden Erhabenheit, die vielleicht nur in den Köpfen arroganter Tüftler entstehen kann. Die berechtigte Arroganz der Andersdenkenden…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

ZENTRIERT INS ANTLITZ - Weitere Rezensionen

Mehr zu ZENTRIERT INS ANTLITZ