Band Filter

ZERAPHINE - Blind Camera

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ZERAPHINE
Title Blind Camera
Homepage ZERAPHINE
Label DRAKKAR/ BMG
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (3 Bewertungen)

Dass die Mannen um Sven Friedrich mit ihrem neuen Album ein weiteres Meisterwerk vorlegen würden, ahnte ich schon im letzten Jahr, als ich das Vergnügen hatte, einer Pre Listening-Session beizuwohnen. Da waren zwar noch nicht alle Stücke fertig, dennoch war erkennbar, dass man nach dem „nur guten“ „Traumaworld“ wieder zu den Stärken des Debüts „Kalte Sonne“ zurückgekehrt war. Das Quintett legt sich musikalisch wie lyrisch keinerlei Grenzen mehr auf, nach einer „deutschen“ und einer überwiegend „englischen“ Veröffentlichung ruht man jetzt in sich und verwendet ganz einfach die Sprache, die am besten zum jeweiligen Song passt: Abwechslungsreichtum garantiert! Das ganze wird zusammengehalten vom Konzept der „Blind Camera“, welches sich erst nach näherer Betrachtung erschließt. Es geht dabei um die Grenzen der optischen Wahrnehmung, will sagen, dass man oftmals nur den Ausschnitt einer Sache, einer Person, zu fassen bekommt, man aber fälschlicherweise davon die Gesamtbeschaffenheit abstrahiert. So führt auch das Cover, auf dem 2 Granatäpfel zu sehen sind, in die Irre und offenbart sich erst nach genauerer Betrachtung. Wie bei dem scheinbar lieblichen Elfen auf der Vorgänger-Hülle hat man auch hier wieder ein boshaftes Element eingebaut, welches ein wenig über die Konzeption der Berliner aussagt. Täuschen – Überraschen – Gewinnen!

So könnte auch der Opener „I never want to be like you“ dazu führen, dass manch sanftes Gruftie-Mädchen vor Schreck vom Barhocker fällt, handelt es sich doch hier um das schnellste/ härteste Lied in der Bandhistorie. Und die Reihenfolge wurde auch ganz bewusst so gewählt, ohne Hinsicht auf Verluste. Aber bereits beim bekannten Nachfolger „Die Macht in Dir“ darf wieder geträumt werden, die typischen ZERAPHINE-Melodielinien übernehmen das Zepter, die man so lieb gewonnen hat. Tracks wie „Die Welt kann warten“ oder das samtene „Kaltes Herz“ hätten ohne Probleme auf dem Erstling stehen können und dabei eine gute Figur gemacht. Dennoch ist auch einiges neu: So wurde ganz deutlich an der Gitarrenarbeit gefeilt, die nun ausgereifter und vor allem abwechslungsreicher daher kommt. Dazu hat man mit der „Blind Camera“-Instrumental-Trilogie ein neues Element auf der Scheibe, welches dem Gesamtfluss zu gute kommt. Besonders möchte ich auch noch auf „Jede Wahrheit“ hinweisen, welches sich in Aufbau und Struktur vom typischen ZERAPHINE-Track unterscheidet. So klingt der Refrain hier irgendwie „alternativig“ (O-Ton Sven!) anstelle gothic zu mollen… Gerade diese Feinheiten sind es – neben den „klassischen“ Hits, die hier en masse vorhanden sind -, welche die „Blind Camera“ zu einem ersten wichtigen schwarzen Highlight des Jahres macht. Aber was heißt hier schwarz? Funkelnd wie ein Edelstein etabliert sich das Quintett damit endgültig in der hiesigen Musiklandschaft.

Mit so einer CD in der Hinterhand sollte es ein leichtes sein, auf der anstehenden Tour (mit den „verrückten“ Finnen LAB als Support) ordentlich abzuräumen. Beim Debüt hatte man noch das Überraschungsmoment auf seiner Seite, von daher würde ich diese grandiose Leistung fast noch höher einschätzen. Musik zum Genießen in allen Lebenslagen!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

ZERAPHINE - Weitere Rezensionen

Mehr zu ZERAPHINE