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ZERAPHINE - Still

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Artist ZERAPHINE
Title Still
Homepage ZERAPHINE
Label PHONYX RECORDS
Leserbewertung
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7.7/10 (3 Bewertungen)

ZERAPHINE, die Vierte. Was ist neu, was ist anders, was ist geblieben? Zunächst mal fällt das neue Plattenlabel auf, Phonyx Records ist noch ein gänzlich unbescholtener Name im Business. Die Verbindung mit Drakkar/ BMG wurde nach 3 Alben kontraktgemäß beendet. Zwar waren die Berliner sicher ein gutes Pferd im Stall, doch den ganz großen Hype (à la OOMPH!, LORDI, EXILIA) würde Bertelsmann nicht mehr erzeugen können. Zeit frische Wege zu gehen, und so hat man zusammen mit Langzeitproduzent Tommy Hein eine neue Plattenfirma aus der Taufe gehoben, die sich natürlich intensiv um Sven und Co. kümmern kann. Leider scheint aber das Produktionsbudget ein wenig nach unten gefahren worden zu sein, insbesondere die Drums klingen beizeiten wie Plastikeimer. Ganz schlimm fällt das beim Opener und Titelsong auf, im Verlauf des Albums gewöhnt man sich dann irgendwie daran.

Ansonsten konnte man sich ja schon bei der Orkus Festival Tour mit AND ONE und FUNKER VOGT ein Bild von den neuen Kompositionen machen. Die noch gänzlich unbekannten Tracks rockten damals gehörig die Menge, so verhält es sich dann auch auf dem Longplayer, wo alles natürlich ein wenig gezügelter zugeht. Das Verhältnis deutsch zu englisch ist wieder pari, während die Uptempo Stücke doch ein wenig überwiegen. Gut so, denn ZERAPHINE verstehen es vorzüglich, ihre Melancholie in treibende Töne zu verpacken. Im Laufe der Zeit hat man sich doch ein wenig von Gothic in Richtung Alternative Rock entwickelt, ohne die ureigensten Trademarks zu vernachlässigen. Dazu gehört auch die dezente Elektronik, die immer mal wieder gerne einen Titel einleitet und ihn dann als Grundthema „durchschwebt“. Bestes Beispiel: „Inside Your Arms“, eine schöne Synthie-Melodie baut Spannung auf, teilweise verzerrter Gesang und relativ aggressive Gitarren bilden die Sahnehäubchen. Und natürlich die hymnischen Refrains, welche einem zwar immer etwas bekannt vorkommen, um dann schließlich doch einen unerwarteten Haken zu schlagen. „Toxic Skies“ oder „I’ll follow you“ müssen hier als weitere flotte Highlights dienen, wiewohl die muttersprachlichen Lieder tendenziell eher softer ausfallen. Ein guter Kompromiss, eine ausgewogene Mischung. Insbesondere das abschließende „Nur ein Tag“ dürfte wieder zu Feuerzeug-Aktionen im Publikum führen, schließlich funktioniert die Band live immer noch am besten.

Eine vierte Scheibe ohne Fehl und Tadel (sieht man vom leicht verwaschenen Sound ab) ist in heutigen Zeiten schon aller Ehren wert. Zwar glänzt man eher mit neuen Nuancen denn richtiger Innovation, aber genau das möchte zumindest ich bei ZERAPHINE auch hören. Und dass man extra ein neues Label aus der Taufe hob, dürfte ein Zeichen dafür sein, dass man mit diesem Kapitel Musikgeschichte noch lange nicht abgeschlossen hat. Melancholischer Alternative Goth Rock at its best!

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