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ZOOT WOMAN - Star Climbing

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Artist ZOOT WOMAN
Title Star Climbing
Label EMBASSY ONE/ WARNER/ ZEBRALUTION
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

Ist das nun ZOOT WOMAN 4.0 oder ZOOT WOMAN 0.4.? Elektropop klingt nicht erst seit diesem Jahr mehr nach rückwärts statt nach vorwärts. „Star Climbing“ macht da keine Ausnahme, sondern lebt diesen Trend begeistert aus. Vielleicht liegt es auch daran, dass ZOOT WOMAN ihr vielbeachtetes Debütalbum „Living In A Magazine“ raushauten, als das neue Millennium gerade mal einen Fuß in der Tür hatte. Schließlich wurde uns versprochen, dass die Menschheit im Jahr 2001 wiedergeboren werden sollte. Das Gegenteil war der Fall. Alles Frühere wirkte spätestens von da an umso anziehender. 13 Jahre später ist diese Faszination noch um ein Vielfaches gewachsen. Nostalgie und künstlerisches Recycling wird nicht mehr heimlich in der selbstgeschaffenen Komfortzone der Revivalparty oder am Stammtisch ausgelebt, sondern ist mittlerweile zum Lebenskonzept ganzer Generationen geworden. Früher war zwar nicht alles besser, aber das Beste von früher wird fieberhaft konserviert und wiederverwertet. Im Falle ZOOT WOMAN bedeutet das also in mehrfacher Hinsicht: Es bleibt alles beim Alten.

Deutlicher als mit der ersten Singleauskopplung „Don’t Tear Yourself Apart“ lässt sich die Sehnsucht nach einer besseren Welt nicht auf den Punkt bringen: „When it all seems to bring you down don’t tear yourself apart, I can promise you better ways, we’ll be living in better days“ heißt es hier. Gleichzeitig vermittelt die Musik aus alten Casio- und 909-Drum-Synthesizern mehr und mehr das dumpfe Gefühl, dass diese besseren Tage nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit liegen. Vielmehr stecken sie im zentimeterdicken Plüsch irgendeiner frankophilen Retrolounge der Eighties. Aber hier geht es nun mal ausschließlich nur um popkulturelle Stilfragen, nicht um Lösungen für reale Probleme. Schiebt man also den ganzen retrofuturistischen Überbau beiseite, bleibt –soweit dies in diesem Genre möglich ist – ein gepflegtes Understatement von einem Elektropopalbum, das den Hörer angenehm mit soundästhetischen Nebensächlichkeiten ablenkt, ohne dabei das Gefühl zu vermitteln, völlig ohne weltverbessernden Anspruch zu sein. Somit ist „Star Climbing“ das perfekte Trostalbum für Prokrastinierer, Tagträumer und Problemverdränger. Und das ist nicht mal negativ gemeint.

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