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ASP – CHAMBER – L´ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR (ONCE IN A LIFETIME)

Ort: Herford - Club X

Datum: 22.04.2006

“Once in a lifetime” – Unter diesem vielversprechenden Motto begaben sich 2 der interessantesten deutschen Kapellen aus dem erweiterten Gothic-Umfeld auf Tour, um gemeinsam alte und neue Songs darzubieten. ASP und CHAMBER, das schwarze Kammerorchester, sind seit jeher freundschaftlich miteinander verbunden, u.a. tummelte sich CHAMBER-Sympathicus Marcus „Max“ Testory ja auch mal in der ASPschen Chor Sektion. Beiden Formationen ist der Wille zu innovativer und leidenschaftlicher Musik jederzeit anzumerken, was man in der „Szene“ so nicht mehr allzu oft antrifft. Und getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir (noch) stärker“ hatten sich 8 Musiker beiderseitigen Ursprungs zusammengetan, die Zuschauer mit Akustikversionen ihrer Hits zu begeistern. Als da wären: ASP (Gesang), Matthias (Gitarre), Katharina Kranich (Cello), Natalie (Kontrabass), Marcus “Max“ Testory (Gesang/ Gitarre), Tina (Violine), Oliver „Himmi“ an der Percussion sowie neu im Verbund Ally an der zweiten Violine. Das schien im Vorfeld durchaus für Interesse gesorgt zu haben, denn an diesem nasskalten Samstag Abend befanden sich bereits kurz vor Öffnung des Herforder Clubs einige schwarze Gestalten vor den Toren. Kurze Zeit später ging es hinein und jeder versuchte, einen möglich sichtoptimalen Platz zu ergattern, das X war nämlich an diesem Abend zumindest im Innenraum bestuhlt! Bzw. „bebänkt“, denn man nahm auf den typischen Schützenfestbänken Platz. Die Bühne war bereits geschmückt mit ein paar Blümchen und einem reichlichen Arsenal an Instrumenten, doch bevor es musikalisch losgehen sollte, wartete noch ein literarischer Vortrag auf uns.

Thomas Sabottka, eine Art schwarzer Alleinunterhalter, stapfte auf die Bühne, um sogleich mit der ersten von 4 kurzen Erzählungen zu beginnen. Dies tat er stilvoll mit einer vortrefflichen Aussprache, kein Vergleich beispielsweise zu Oswald Henkes holprigen Lesereisen (inhaltlich aber vergleichbar). Aus einem aktuellen Werk „Rewind“ präsentierte er die Suizid-Ballade „Paracetamol“, dazu kam ein exklusiver Text über die Backstage-Erlebnisse der fiktiven Gothic Rock Band STRANGE SHADOWS. Letztgenannten fand ich persönlich am unterhaltsamsten, aber auch der Rest verführte nicht zum Gähnen, wenngleich die meisten sicher eher auf die „Zusammenkunft“ warteten. Zu dieser leitete der charismatische Herr dann auch direkt über, allenthalben lag Spannung in der Luft!

Auf der Bühne wurde es nun voll, im Hintergrund befanden sich übrigens noch ein Tisch mit Alkoholica sowie ein paar Sitzgelegenheiten drum herum. Diese sollten später von den jeweils „arbeitslosen“ Musikern frequentiert werden. Zunächst hatte aber jeder alle Hände voll zu tun, los ging es nämlich mit der eigens komponierten Tourhymne „Once in a Lifetime“, die sich auch auf der zugehörigen CD „Humility“ befindet (und die am Merchstand reißenden Absatz fand!). Ein wunderbarer, mitreißender Song, welcher die Richtung des Abends perfekt vorgab: Eine Mischung aus Folk, Klassik und Goth brachten die 4 Herren bzw. Damen aufs Parkett. In diesem neuen und gleichsam aufregenden Soundgewand präsentierte man im folgenden ASP und CHAMBER-Klassiker, die so völlig neue Nuancen verrieten. Da wären z.B. das treibende „She wore Shadows“ oder „Demon Love“ zu nennen, aber natürlich auch Kammer-Kompositionen à la „The Paper-Hearted Ghost“ und das irrwitzige „The Truth about Snow-White“, bei dem die beiden Fronter heftigst herumalberten. Das war sowieso ein Charakteristikum der Performance: So perfekt die Stimmen von Alexander (ohne Schminke) und Max während der Lieder klangen, so angenehm charmant-witzig waren die Ansagen dazwischen. Man hatte hier wirklich das Gefühl, die Musiker performen für sich UND das Publikum, welches immer mehr aus sich herausging. Nach „Und wir tanzten“ kündigte ASP eine 20-minütige Pause an, die zur Schonung der Stimme bzw. zur Bewässerung derselbigen genutzt werden konnte. Zum Abschluss dieses ersten Teils wurde noch einmal „Once in a Lifetime“ als eine Art Reprise aufgeführt, bevor die Besucher sich ein wenig die Beine vertreten und das Vorangegangene reflektieren konnten. Bereits jetzt war allen Ortens Begeisterung zu spüren, doch es sollte noch besser werden.

Mit „Küss mich“ ging es dann gleich wieder in die vollen, wobei Kathi rechts den erotischen Imperativ zart ins Mikro hauchte. Dass die Dame auch eine hervorragende Singstimme besitzt, wurde später noch deutlich. Mit „Silence“ wurde es danach aber dem Titel gemäss erst mal ein wenig salbungsvoller. Der Spannungsaufbau zwischen Pathos, Rock und Gefühl war annähernd perfekt, mit der „Ballade von der Erweckung“ folgte sogleich ein weiterer Höhepunkt, der von Herrn Spreng stimmlich wiederum mit Bravour gemeistert wurde. Auch die ASP-Klassiker „Sing Child“/ „Ich will brennen“ ließen die Herzen mit teilweiser neue Rhythmik höher schlagen. Das führte soweit, dass die Damen auf den ersten Bänken nicht mehr an sich halten konnten und entzückt herum hüpften, war wohl auch nicht ihre erste Zusammenkunft… Himmi an der Triangel, Ally mit einem Solo, Max als wilder Rocker – jeder bekam heute die Möglichkeit sein Talent zu zeigen. „Toscana“ beendete die Rundreise, aber die Zuschauer gierten nach MEHR. Gleich 2 mal holten sie die Truppe unter ohrenbetäubendem Beifall wieder zurück, die sichtlich gerührt war. Da störte es auch nicht, dass die eigentlich für 22 Uhr angekündigte Trash Party schon hätte beginnen sollen, ganz im Gegenteil! Bis 22 45 Uhr wurden so noch 4 weitere Lieder aufgeführt, alle Musiker vorgestellt (auch Herr Sabottka war jetzt anwesend), die Massen zur endgültigen Ekstase gebracht. „Once in a Lifetime“ in seiner dritten Aufführung konnten dann schon alle mitsingen, bevor es nach Hause oder zu den Devotionalien ging.

Fazit: Live Kunst auf höchstem Niveau, instrumental wie kompositorisch. Unglaublich sympathische Musiker voller Spielfreude und ein einmaliges Erlebnis. Im Vergleich zum SISTERS-Konzert am Vorabend ein Unterschied wie Tag und Nacht! Schön dabei gewesen zu sein…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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