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SCOOTER – ATZENMUSIK

Ort: Bielefeld - Stadthalle

Datum: 20.12.2008

Wem ein paar Tage vor Weihnachten noch nicht nach Besinnung, sondern mehr nach „Hyper, hyper“ war, der konnte sich am heutigen Samstag endlich die (eigentlich schon im Sommer für Herford angekündigte) Portion SCOOTER abholen. Einige Tausend Partyhungrige waren zur Bielefelder Stadthalle gepilgert und mussten bei verzögertem Einlass noch ein wenig bei Wind und Nieselregen auf dem Vorplatz ausharren. Endlich im Foyer schlug einem schon eine regelrechte Bierfahne entgegen; die, die als erste die Halle erreicht hatten, schienen sich schon ordentlich in Stimmung gebracht zu haben. Ich zog heute wegen akuter Erkältungsschwäche ein ruhiges Plätzchen auf dem Rang einem Bad in der Menge vor und wurde nun zunächst Zeuge des Aufwärmkommandos.

Dies hörte auf den Namen ATZENMUSIK, wohinter sich der nicht unumstrittene Berliner Underground-Rapper „Frauenarzt“ und sein Kumpel Manny Marc verbergen, beide auch Gründer gleichnamigen Labels. In der Vergangenheit haben beide bereits Bekanntschaft mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gemacht und so ziehen sich indizierte Machwerke durch ihr bisheriges Schaffen. Für die heutige Veranstaltung war man insgesamt zu Acht angereist, um mit einer Mischung aus Techno, Rap und Electro ordentlich Alarm auf der Bühne zu machen, die Texte hingegen blieben relativ zahm. Neben der Single „Florida Lady“ (im Original aufgenommen mit dem schillernden Alexander Marcus) gab es noch so Hochgeistiges wie „Beweg Deinen Arsch“, „Ene, mene, miste, wir springen durch die Kiste“ oder „Geile Zeit“ mit dem WHITE STRIPES Sample aus „Seven nation army“ auf die Ohren, alles simpel, eingängig, mitgrölbar und oft nur knapp an der Zwei-Minuten-Grenze. So war die Mission um 20.15 Uhr bereits erfüllt und die Menge fürs erste auf Betriebstemperatur. Doch nun hieß es noch eine knappe Stunde durchhalten bis zum Hauptact und so wurde die Luft schnell wieder trocken, so mancher hielt da nur den Stimmungspegel mit entsprechendem Bierkonsum.

Gegen 21.10 Uhr wurde dann die Bühne auf mehreren Ebenen unter großer Euphorie des Publikums für SCOOTER hergerichtet, zu den Klängen der Carmina Burana zuckten Laser durch die Halle und zu ordentlichen Pyros enterten H.P. und seine Kompagnons an den Knöpfchen Rick und Simon die Bühne, um mit „Call me Manana“ die Show zu eröffnen. Und „Show“ war hier wieder einmal die richtige Bezeichnung, denn neben der Musik gab es vor allen Dingen viel zu sehen. Grelle Lichtfontänen, coole Moodlights im Hintergrund und nun für „Jumping all over the world“ vier männliche Tänzer, die im weiteren Verlauf noch öfter zu sehen waren. Die Herren praktizierten einen putzigen und sicherlich schweißtreibenden Tanzstil, der manchmal aussah, als wenn sie wie Marionetten an Fäden hängen würden. H.P. hatte sich gleich nach dem Opener der Lederjacke entledigt und direkt zur Begrüßung alles andere als eine „Stille Nacht“ versprochen. Alte Hits wie „The Question is what is the question“ ließen den Rang erzittern und bei der Partyansage „Weekend!“ kamen nun auch zwei Go-Go-Tänzerinnen in erwartungsgemäß knappen Outfits zum Zuge. Dies alles wurde vom bunten Publikum (von Kindern bis zu älteren Herren, H.P.-Lookalikes und aufgebrezelten Chicks, dazu auch einem Haufen Engländer und Holländer) dankbar aufgenommen. SCOOTER sind ja Meister in Sachen Zweitverwertung, beste Beispiele die alten Klassiker wie „Whatever you want“ mit der Stimme von STATUS QUO Sänger Francis Rossi aus dem Off und „ Ramp!“ (The logical Song) als Hommage an SUPERTRAMP, die nun an die Reihe kamen, ehe sich H.P. eine kleine Verschnaufpause und ein frisches T-Shirt gönnte. Derweil konnte das Publikum zu einem Instrumental-Medley weiter klatschen und tanzen.

Im zweiten Teil gab es dann das volle Hitbrett: „Fuck the millenium“ (die Damen nun in Silber), „Aiii shot the DJ“, „Nessaja“, „How much is the fish?“ gaben sich die Klinke in die Hand und die Stadthalle Bielefeld konnte für einen Moment sicher mit einer Ibiza-Disco mithalten. Nun kündigte H.P „I’m lonely“ als Ballade an, naja, was bei SCOOTER so als Ballade durchgeht. Zum Finale gab es dann noch das vorher schon oft aus der Crowd geforderte „One (Always hardcore)“. Gerade mal 75 Minuten waren vergangen und so wurde die im Hintergrund eingeblendete Frage: „Do you want more?“ lauthals unter ordentlichem Applaus beantwortet. Während ich mir schon einen Weg aus der Stadthalle bahnte, konnten die Fans noch einmal zu „Jigga“ und „Maria“ alles geben und jede Wette – ich hab’s nicht mehr gehört – aber „Hyper, hyper“ gab es sicher auch noch.

Für meine Begriffe hatten SCOOTER eine solide, aber vielleicht ein wenig zu routinierte Show abgeliefert, die eindeutig auf Nummer Sicher ging (oder warum hatte man mittlerweile „Marian“ aus der Setlist gestrichen?) Ich hatte H.P. schon mal mitreißender und auch ein wenig besser bei Stimme erlebt, aber vielleicht lag dies auch an der großen Distanz von Bühne zum Rang. Die Fans im Innenraum dürften auf jeden Fall zufrieden nach Hause gegangen sein.

Setlist SCOOTER
Intro
Call me Manana
Jumping all over the world
The question is what is the question
I’m raving
Weekend!
And no matches
Whatever you want
Ramp! (The logical song)
Jump Medley
Fuck the millennium
Aiii shot the DJ
Roll baby roll
Nessaja
How much is the fish?
I’m lonely
One (Always Hardcore)

Jigga
Maria (I like it loud)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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