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SCOOTER – THE POTBELLEEZ – KOOK & ROXXY BIONE

Ort: Dortmund - Westfalenhalle

Datum: 07.04.2008

Mit ihrem neuesten Werk “Jumping all over the World” haben SCOOTER meiner bescheidenen Meinung nach eins ihrer besten Alben seit langer Zeit abgeliefert, von daher war ein Besuch der dazugehörigen Tour obligatorisch. Der Zufall wollte es an diesem eiskalten Abend, dass direkt nebenan, in der größeren Westfalenhalle 1, die BEATSTEAKS ein Nachholkonzert abhielten, was zu einem interessanten Clash der Kulturen führte. Spaßig und meist nicht allzu schwierig, anhand der Klamotten auf die jeweilige Musikpräferenz zu schließen, die beiden Terrorverleger mal ausgenommen. Letztendlich fanden wir uns also gegen 19 15 in der etwas sterilen, aber dafür ausverkauften WH 2 wieder, die zumindest um diese Zeit doch noch sehr mäßig gefüllt war. Schlecht für den Opening Act, der wie so oft vor der offiziellen Startzeit auf die Bühnenbretter musste.

Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass sich SCOOTER Fans im Grunde nur für ihre Lieblinge interessieren, alles andere ist Schall und Rauch. Im Gegensatz zu vorherigen Live-Gastspielen, wo man lediglich irgendwelche DJs zum Anheizen angeheuert hatte, stand nun ein richtiger “Band Effort” auf dem Programm: KOOK & ROXXY BIONE. Dahinter verbergen sich der bekannte Berliner Electro DJ KOOK und die ursprünglich aus Südamerika stammende Frontröhre Roxxy, dementsprechend lautet auch ein Albumtitel “Deutsch-Brasilianische Freundschaft”, was für einen gesunden Humor der Protagonisten spricht. Ein gewisser Bezug zur “schwarzen Szene” besteht auch, da der gute KOOK schon mal einen Remix für JOKE JAY (Ex AND ONE) angefertigt hat. An diesem Abend wurde das Duo von einem Gitarristen unterstützt, was den Sound ein wenig Richtung Electro Clash drückte. Obschon die optisch eigenwillige Sängerin ordentlich Dampf machte, waren die Reaktionen der Fans eher mäßig, die mit dem Sound wohl nicht sonderlich anfangen konnten. So blieb es bei 5 Stücken und einer Laufzeit von gerade mal 23 Minuten, präsentiert wurden unter anderem die Bearbeitungen von CINDY LAUPERs “She Bop” und zum Schluss das einigermaßen abgefeierte “Remmidemmi” (natürlich im Original von DEICHKIND).

Als ich mich mental gerade auf H.P. und Co. eingestellt hatte, wurde es bereits wieder dunkel und ein Knöpfchendreher enterte die Stage. Aha, hatte man also doch noch einen “Unterhalter” engagiert?! Doch von wegen, schon bald sorgte eine hübsche Sängerin für viel Charme unter den Scheinwerfern. Also ab in den Fotograben und erstmal den Namen der Truppe eruiert, die mittlerweile auf Triostärke angewachsen war. Es handelte sich um die Australier THE POTBELLEEZ, die ursprünglich in Dortmund noch gar nicht dabei sein sollten. Aber umso besser für uns, denn die in ihrer Heimat bereits sehr erfolgreichen House/ Funk/ Elektro Musiker konnten mit ihrer Energie und der sehr guten Gesangsleistung der beiden Vorturner MC Blue/ Ilan Kidron sofort in den Bann ziehen. Dazu sorgte Dave Goode für die richtigen instrumentalen Vibes. Der ebenfalls zum Line Up zählende Johnny Sonic, genau wie Dave aus Irland nach Australien emigriert, fehlte an diesem Montag, was der Darbietung keinen Abbruch tat. Ursprünglich als DJs/ Produzenten tätig verstärkte man sich mit den beiden Sängern und schmiss 2007 die EP “In the Junkyard” auf den Markt. In Deutschland ist man mittlerweile bei Kontor unter Vertrag, welche just die letzte Single “Don’t hold back” für den einheimischen Konsumenten aufbereitet haben. Dieser Track gehörte dann auch zur ebenfalls recht kurzen Setlist der Truppe aus Down Under. Hymnische, gemischt-geschlechtliche Vocals, Gitarren Samples, 80er Electro und treibende Beats sind die Markenzeichen des erstaunlich eigenständigen Soundcocktails, der schon deutlich besser im Auditorium ankam. Da haben SCOOTER ein gutes Händchen bewiesen!

Doch jetzt wurde es abermals dunkel und so langsam nahte der Auftritt der Hauptdarsteller, die natürlich nun die komplette Tiefe der Bühne nutzen konnten. Als Fotograph wurde man vorab bereits vor den Pyro-Effekten gewarnt, die mir relativ schnell einen “heißen” Abend bereiten sollten. Kurz nach 21 Uhr erfolgte der Startschuss und zu ein paar Klängen der Carmina Burana nahmen die 3 Protagonisten ihre Startaufstellung ein. Mit “Call Me Manana” startete man dann richtig durch, H.P. hinten erhöht auf einem Podest, die Keyboarder Rick und Michael Simon rechts und links hinter ihren Tastengeräten. Sofort erhöhte sich auch die Schlagzahl im recht heterogenen Publikum, Jumpstyle galore! Was sich natürlich beim Titeltrack der aktuellen Scheibe noch steigerte, bei dem erstmals 4 relativ jugendlich aussehende Tänzer eingesetzt wurden. Zum Leidwesen des Bildbeobachters hatten die beiden hübschen Go Go Mädels erst später ihre Premiere (“Weekend”), wo nicht mehr geknipst werden durfte. Wie angekündigt sorgten Feuerfontänen, Flammen und Pyros für hitziges Entertainment, auch die Lightshow kann nur als bombastisch und teilweise fast zu hell bezeichnet werden. Nach der sehr erfolgreichen Single “The Question is…”, dem Klassiker “I’m raving” sowie dem bereits angesprochenen “Weekend!” folgte dann beim ebenfalls neuen “And No Matches” eine weitere interessante Einlage. Auf der MySpace Seite hatte man pro Show 2 Zuschauer selektiert, die gemeinsam mit den Profi-Akteuren ein wenig herumjumpen durften. Vorgestellt wurden uns nun Dirk und Jens, beide wohnhaft in Iserlohn – da Brüder, wie sie glaubhaft versicherten. Für die beiden Jungs ganz sicher ein Höhepunkt ihrer Vita und sie machten auch eine recht ordentliche Figur. Danach folgte ein ganz besonderes, da ganz neues/ noch unveröffentlichtes Stück mit dem Titel “Whatever you want”. Ebenfalls dem Jumpstyle verpflichtet, plus bekannte Gitarreneinlage zur Spannungsförderung. Ob diese Komposition jemals veröffentlicht wird, steht laut blondiertem Bandcheffe noch in den Sternen, verdient hätte sie es. Für uns alte Terror-Gruftis sollte nun die interessanteste Phase der Setlist eingeläutet werden: Zunächst die SISTERS Coverversion “Marian” (mit den Worten “Gothic Exists” angekündigt) und dann der Genre-übergreifende Clubhit “Lass uns tanzen”. Ob die Eltern den kleinsten Fans des Abends (teilweise mit niedlichen TOKIO HOTEL-artigen Schildern ausgestattet) bei den obszönen Lyrics wohl die Ohren zuhielten? Jedenfalls kam der alte Eldritch Smasher bei den Normalos nicht unbedingt gut an, da eben kaum zündendes Bum Bum. Aber rein stimmlich gut rübergebracht, auch die deutschen Textzeilen in der letzten Strophe. “Lass uns tanzen” ging leider recht schnell über in einen Original LÜTZENKIRCHEN Track: “3 Tage Wach”, von dem die SCOOTERs einen Remix angefertigt haben. Danach verabschiedete sich H.P. von den Konzertgängern, um sich während des anstehenden Instrumental Teils eine kleine Auszeit zu gönnen. “Lighten Up the Sky”, “Whistling Dave” und das von KIM WILDE adaptierte “Cambodia” boten genug Möglichkeiten, die ergrauten Körper zu schütteln und zu shaken. Dabei führten die 4 bereits bekannten Jünglinge Choreographien auf, die trotz allen Könnens hin und wieder etwas albern rüberkamen. Dafür bot auch Rick eine kleine Jump-Einlage. Damit wurde dann auch schon das letzte Drittel der Setlist eingeläutet, wo nunmehr bekannte Klassiker die Oberhand gewannen. “Fuck the Millennium”, “Aiii Shot the DJ” oder auch “How much is the Fish” sorgten für mächtig Stimmung, nun war das Eis endgültig gebrochen und auch die üblichen Sprüche à la “Ihr seid ja alle wahnsinnig” führten zu den gewünschten Reaktionen. Wobei ich andernorts auch schon mal mehr Stimmung in einem SCOOTER-Publikum ausgemacht habe, werden wohl älter die Leute… Zum Schluss performte man noch die anstehende Single “I’m lonely” in der “neuen” Version und das programmatische “One (Always) Hardcore“, mit lang anhaltenden Chören aus dem Auditorium. Gegen Ende wurden auch die beiden Tanzmädels endlich häufiger eingesetzt – mit immer gewagteren Outfits. Nicht viel anders als bei bestimmten, angesagten Kappen im Goth-Electro Bereich, das mal ganz nebenbei.

Alsbald wurde es dunkel und der Wunsch nach Zugaben wurde zunächst eher mäßig formuliert, die netten Einblendungen der Moodlights animierten aber dann doch noch zu standesgemäßen Rufen. So erfolgte eine dreiteilige Zugabe, die auf Bewährtes setzte: “Ramp!” mit dem wunderbaren SUPERTRAMP-Refrain, “Maria” und das (warum eigentlich?) unvermeidliche “Hyper Hyper” rundeten die insgesamt doch recht interessante Performance gekonnt ab. Bei einem SCOOTER Konzert braucht man nicht auf höhere, intellektuelle Kunst zu hoffen, dafür bekommt man eine wunderbar unterhaltsame Mischung aus Mitsing-Klassikern, Stampfbeats, Licht- und Showeffekten geboten, die nichts anderes soll, als für einen Abend zu unterhalten. Und das gelingt den Norddeutschen auch nach all den Jahren noch vortrefflich!

Setlist SCOOTER
Intro
Call Me Manana
Jumping All Over The World
The Question Is What Is The Question
I’m Raving
Weekend!
And No Matches
Whatever you want
Marian
Lass uns tanzen/ 3 Tage Wach
Lighten Up The Sky/ Whistling Dave/ Cambodia
Fuck The Millennium
Aiii Shot The DJ
Roll Baby Roll
Nessaja
How Much Is The Fish?
I’m Lonely
One (Always Hardcore)

Ramp! (The Logical Song)
Maria (I Like It Loud)
Hyper Hyper

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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