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POHLMANN - König Der Straßen

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Artist POHLMANN
Title König Der Straßen
Homepage POHLMANN
Label VIRGIN
Leserbewertung
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9.7/10 (3 Bewertungen)

Für manchen Künstler der musikalischen Zunft zementiert sich im allgemeinen Sprachgebrauch mit der Zeit der ein oder andere liebevoll oder mitunter gar auch böswillig gemeinte Spitzname. Ingo POHLMANN kann ein Lied davon singen, werden für den sympathischen Singer/ Songwriter von den Medien doch gerne mal – teils längst überholte – Schlagworte wie „der deutsche Jack Johnson“ verwendet. Der „Rocker vom Hocker“ scheint da immer noch treffender (und sicherlich auch netter als die früher für ihn als Langhaarigen auf dem Bau auserkorene Bezeichnung „Schlampe“). Mit seinem neuen Album kehrt der Wahl-Hamburger nun indes als selbsternannter „König der Straßen“ zurück und holt damit quasi zum Gegenschlag aus.

Längere Zeit konnte man darüber grübeln, wohin POHLMANNs Reise nach den „Fliegende(n) Fische(n)“ gehen wird. Der Mythos der Weiterentwicklung schwebt über jedem jungen Musiker und insbesondere einem dritten Album. Gerüchten zufolge stand sogar im Raume, sich für einige neue Stücke des Englischen zu bemächtigen. Davon zeugen die 12 Titel nun allerdings nicht und dennoch ist sein bislang typisches Markenzeichen des überwiegend akustisch veranlagten Sängers mit entsprechender Gitarre ein wenig relativiert worden. Unter Mithilfe von Produzent Ralf Mayer (CLUESO, FANTA 4 u.a.) ist das Soundspektrum nun breiter aufgestellt und vor allem mit mehr Strom im Gitarrenbereich versehen worden, was sich sodann auch in einer höheren Dynamik der Songs niederschlägt und an die Live-Performance bei POHLMANN Konzerten erinnert. Wer im Sommer aufmerksam war, hatte auf ausgesuchten Festivals, im Vorprogramm von INA MÜLLER oder im Rahmen der in intimer Atmosphäre abgehaltenen Kneipenkurztour auch schon eine erste Gelegenheit, sich hiervon zu überzeugen.

Der „neue“ POHLMANN ist dabei erfrischend vielseitig und im positiven Sinne gereift ohne sich dabei selbst zu verleugnen, was ihm neue Türen zu öffnen vermag – sei es mit lockeren und unbeschwerten Tunes wie dem Titeltrack und dem in dieser Hinsicht großartigen „Wenn sie lächelt“ oder mit erstklassigem Emotionsfeuerwerk wie in „Die Welt zerbricht“. Auch die Vorab-Single „Für dich“ sowie Lieder im Stile von „Unten im Meer“ offenbaren POHLMANN wie er leibt und lebt, während das selbstironische „Selbstverliebt“ ihn von einer bislang ungewohnt rockigen Seite zeigt. Ansonsten fällt die zweite Albumhälfte aber eher ruhiger und zeitweise dann doch stärker akustisch geprägt aus. „Wohin“, „Heile Welt Kriege“ und auch das sehr gelungene „Sie gingen nicht auseinander“ weisen eine nachdenklich-melancholische Ader auf und wurden partiell um schönen Cello-Einsatz bereichert. Das urbane „Ich schließe meine Augen“ geht mit experimentell-verträumten Klängen noch einen Schritt weiter, könnte jedoch noch etwas mehr auf den Punkt kommen.

POHLMANN 2010 liefert damit den Beweis für authentische deutsche Musik, die nicht nur „nett“ sein will und unbedingte Akklamation verdient hat!

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